Neujahrswünsche

Vogelhaus

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

Rainer Maria Rilke
(1875-1926)

 

Ich wünsche euch allen ein wunderschönes neues Jahr!

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Das Weihnachtsbäumlein

WeihnachtsbaumWeihnachtsbaum

WeihnachtsbaumWeihnachtsbaum

Die Frage zur (ökologischen) Sinnhaftigkeit eines Weihnachtsbaumes hat sich wohl jede(r) von uns schon mal gestellt. Im ZimmerKücheKabinett gibt es dieses Jahr zum ersten Mal einen und um es nach Christian Morgenstern zu halten hoffen wir natürlich auch das er ein zweites (drittes) Leben bekommt:

Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands  im Garten unten
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.

Die grünen Nadeln war´n verdorrt
die Herzlein und die Kerzen fort.
Bis eines Tags der Gärtner kam
den fror zu Haus im Dunkeln,

und es in seinen Ofen nahm-
Hei! Tats da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein in Gottes Herz.

Christian Morgenstern

Ich wünsche euch allen WUNDERSCHÖNE Feiertage!

Julinacht

Mirabellgarten SalzburgPeterhofZarskoje SeloSommergarten

Nun wird das Glänzen immer trüber
Und losch schon überm Parke aus,
Durch das Geblätter grüßt herüber
Verdämmernd noch das Schwanenhaus.

Die alten Götter der Hellenen
Schaun, wie von starrem Schlaf gebannt,
Durchs dunkle Laub in weißem Sehnen
Und träumen noch von Griechenland

Es wirft in weite Marmorbecken
Der Springquell seine Strahlen hin,
Noch wiegt sich hier und dort in Hecken
Flüsternd die Blumenkönigin …

Und fern an weiße Marmorstufen
Plätschern die letzten Wellen sacht,
Und Wasservögel hörst du rufen
Noch manchmal durch die Julinacht.

Carl Busse

 

Frühlingsbeginn

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Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße,  wohl bekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
–  Horch,  von fern ein leiser Harfenton!
Frühling,  ja du bist‘ s!
Dich hab‘ ich vernommen!

Eduard Mörike

Einen schönen Frühlingsbeginn euch allen!

Im Herbst

Durch Novemberlüfte schauernd
Strömen Regengüsse nieder;
Da verstummen, scheu und trauernd,
In der Seele mir die Lieder.

Vögeln gleich, die in so kalten
Regentagen, statt zu singen,
Fröstelnd die durchnäßten Schwingen
Lang und stumm zusammenfalten.

Betty Paoli
(1814-1894)